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Seine erste Sorge betrifft die Frage, ob die Zentralbank die Geldmenge in richtigem Tempo, also um 2 % oder um 3 % erhöhen würde.
Ich glaube, die Sorgen sind unbegründet. Draghi schüttet pro Monat 85 Mrd. in den Euro-Raum, das sind ca. 1000 Milliarden pro Jahr, bei einer Geldmengenerhöhung, die sich in normalen Zeiten auf etwa 200 Milliarden jährlich belaufen würde.
Wenn es in einem Jahr statt 200 Mrd. 250 Mrd. sind, kann die ZB im nächsten Jahr ein bisserl weniger ausschütten. Die Geldmenge ist schon wichtig, aber eine Erhöhung um 1 % Punkt mehr oder weniger, darauf kommt´s sicher nicht an. Das gibt sicher nicht gleich 1 % mehr an Inflation. So genau ist der Zusammenhang von Geldmenge und nominalem Sozialprodukt nicht.
Die Frage ist eher: ob eine überschüssige Geldmenge am Ort x zum Ort y gelangt. Das ist dann die Frage funktionierender Geldmärkte, eines hinreichend hohen Vertrauens der Kunden zu den Banken, der Banken untereinander, der Anreizfunktion der Zinsen (je geringer das Vertrauen, desto höher muss der Zinsanreiz sein), usw. Wenn Geld lokal erzeugt wird, wie es heute der Fall ist, ist der Geldmarkt von geringerer Bedeutung.
Mathias Binswangers zweite Sorge betrifft die Spekulationsgeschäfte. Er fragt, ob sie in einem Vollgeldsystem nicht genauso möglich sind. Heute können Banken selbst Geld erzeugen. Das ist der ideale Treibstoff für massenweise und übertriebene Spekulation, durch welche neue, virtuelle Vermögenswerte geschaffen werden, Spekulationsgeschäfte also, welche die Asset-Preise in die Höhe treiben und die Finanzblase weiter aufblähen — mit entsprechenden Wirkungen für die Einkommensverteilung.
Wenn Geschäftsbanken auf vorhandenes Geld zurückgreifen können, werden sie höchstwahrscheinlich sehr viel vorsichtiger operieren. Mich würde eine Studie sehr interessieren, die den Zusammenhang der (zunehmenden) Geldschöpfung durch Banken und dem Wachstum der Bankbilanzen über das nominale Sozialprodukt hinaus dokumentieren würde. Sie sollte analysieren, durch welche Mechanismen es zur Hypertrophie der Finanzmärkte kam und welche Rolle die Geldschöpfung dabei spielt. Nicht die Geldmenge ist das entscheidende, sondern was mit dem bisschen Geld alles an großem Unfug verbunden ist.
Ich danke an dieser Stelle der Filmemacherin Johanna Tschautscher, die mich auf den Artikel von Binswanger/Wüthrich aufmerksam machte.