Verstehen
Fragen zum heutigen Geldsystem
Elf ausführliche Antworten zur Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken.
Was sind Zentralbankreserven?
Zentralbankreserven sind gewissermaßen die Währung der Banken untereinander und stellen damit eine Art zweiten Geldkreislauf neben dem Publikumsverkehr mit Bargeld und Giralgeld dar. Wenn Bank A eine Überweisung eines Kunden an einen anderen Kunden bei Bank B tätigen muss, dann überträgt sie kein Giralgeld, sondern Zentralbankreserven. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Zahlungsverpflichtungen mit Zentralbankreserven in der Regel am Ende des Tages aufgerechnet werden und dann zwischen den Banken nur der deutlich geringere Saldo überwiesen wird oder sich die Banken stattdessen gegenseitig Kreditlinien geben und dann gar keine Zentralbankreserven fließen.
Zentralbankreserven entstehen wenn die Zentralbank Banken einen Kredit vergibt oder diesen Vermögenswerte gegen Zentralbankreserven abkauft.
Wem gehört das Geld auf meinem Girokonto?
Wie funktioniert die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken?
Der Kreditnehmer zahlt für das von der Bank aus dem Nichts geschaffene Geld Zinsen an die Bank. Ist er nicht in der Lage, den Kredit zu tilgen, gehen auch die der Bank überlassenen Sicherheiten in Bankeigentum über.
Überweist der Kunde sein Giralgeld auf das Konto eines Kunden bei einer anderen Bank (B), wird aus der Schuld der Bank (A) gegenüber dem Kunden eine Schuld gegenüber einer anderen Bank (B). Die Bank (B) hat nun ihrerseits eine Forderung gegenüber der Bank (A).
Geldschöpfung findet ebenfalls statt, wenn eine Bank von einem Kunden aus dem Publikum Aktien, Immobilien oder andere Vermögensgegenstände abkauft und dem Kunden das Geld auf dessen Bankkonto gutschreibt. Auch in diesem Fall findet in der Bankbilanz eine Bilanzverlängerung statt: der neue Vermögenswert wird auf der Aktivseite, das neu geschaffene Giralgeld auf der Passivseite der Bankbilanz verbucht.
Verschwindet Geld durch Tilgung von Krediten?
Wie schon gesagt, entsteht Geld bei Kreditvergabe an das Publikum oder Käufen von Vermögenswerten aus dem Publikum. Giralgeld wird vernichtet, wenn das Publikum Kredite zurückführt oder von Banken Vermögenswerte erwirbt. Giralgeld wird aber auch vernichtet, wenn Kunden Zinsen zahlen.
Allgemein gilt: Alle Auszahlungen von Banken an das Publikum erhöhen die Geldmenge. Alle Einzahlungen des Publikums an die Banken verringern die Geldmenge.
Wozu braucht die Bank dann überhaupt noch Einlagen von Kunden?
Dennoch haben Banken gute Gründe, Kundeneinlagen anzuziehen:
· Kostenersparnis: Für eine Bank ist es am besten, wenn neu geschaffenes Geld einfach auf ihren Konten liegen bleibt. Wenn das Geld abwandert, kann es sein, dass sie zur Refinanzierung einen Kredit bei einer anderen Bank oder der Zentralbank aufnehmen und dafür Zinsen zahlen muss. Das schafft Unsicherheit und kann teuer werden. Um Gelder im Hause zu behalten, sind Banken bereit, Zinsen zu zahlen: Sie locken Kunden, ihr Geld auf Sparkonten zu bunkern. Banken benötigen aber diese Kundengelder nicht unbedingt, um Kredite zu vergeben.
· Risikominimierung/Liquiditätsplanung: Je langfristiger Spareinlagen umso geringer das Risiko des Bedarfs an Zentralbankreserven oder einer kurzfristigen Refinanzierung bei anderen Banken.
· Kundenpflege: Durch Girokonten, Online-Überweisungen etc. pflegt die Bank ihre Kundenbeziehungen, um darauf aufbauend auch weitere Dienstleistungen zu vertreiben. Die Verwaltung von Kundengeldern ist Teil der Marketingstrategie und Kundenbindung.
Wenn Banken selber Geld herstellen können, warum können sie denn trotzdem zahlungsunfähig werden und warum gibt es dann noch Bankenpleiten?
Was ist der Unterschied zwischen einem Girokonto und einem Sparkonto?
Erzielen Banken einen Profit aus der Giralgeldschöpfung?
Wodurch wird im heutigen System die Geldschöpfung der Banken begrenzt?
Eigenkapitalvorschriften: Bei Krediten und Investitionen müssen die Banken gewisse Mengen an Eigenkapital vorhalten, welches ein Puffer der Inhaber für eventuelle Verluste darstellt. Die konkrete Höhe des notwendigen Eigenkapitals wird kompliziert berechnet. Das Eigenkapital ist nicht frei verfügbares Geld, sondern kann in Computern, Immobilien, Aktien, Anleihen etc. investiert sein.
Kreditnachfrage und Kreditsicherheiten: Kunden, die einen Kredit wollen, müssen den Anforderungen der Bank genügen und entsprechende Sicherheiten stellen können.
Mindestreserve: Die Banken müssen das Volumen ihrer Giralgeld-Guthaben mit 1 % Zentralbankgeld abdecken. Die Mindestreserve soll eigentlich sicherstellen, dass Banken ihren Auszahlungsversprechen nachkommen können und wurde in den letzten Jahrzehnten aber immer weiter abgesenkt. Die Mindestreserve muss aber nur im Monatsdurchschnitt erreicht werden und kann nachträglich erfüllt werden. D.h. die Banken vergeben erst die Kredite. Am Tagesende stellen sie fest, wieviel Zentralbankreserven sie benötigen und leihen sich diese dann von der Zentralbank.
Liquidität: Die Banken stehen untereinander im Wettbewerb um Kundeneinlagen, da ihnen über diese Zentralbankreserven zufließen. Da sie untereinander ihre Zahlungsverpflichtungen in Zentralbankreserven leisten müssen, sind sie daher ein stückweit auf Kundeneinlagen angewiesen. Würde eine Bank A beispielsweise exzessiv Kredite vergeben, die dann im Zahlungsverkehr an Konten bei Bank B fließen, dann müsste Bank A in entsprechender Höhe Zentralbankreserven an Bank B überweisen und könnte in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die einzelnen Banken müssen daher darauf achten, dass sich ihre Zahlungseingänge durch Einlagenzuflüsse und Zahlungsausgänge durch Kreditvergaben ungefähr die Waage halten. Gleichzeitig unterliegt das Bankensystem als Ganzes keiner solchen Beschränkung, da jede Kreditvergabe neue Einlagen schafft. Wenn alle Banken daher ihre Kreditvergabe ungefähr im Gleichschritt ausweiten, stellen die Einlagen keine Beschränkung dar.
Welche Probleme sind mit der Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken verbunden?
1. Komplexität: Das Geldsystem ist viel zu kompliziert, widersprüchlich und widersetzt sich einer vernünftigen Regelung.
2. Systemische Instabilitäten. In der Wirtschaft gibt es keine absoluten Sicherheiten. Und Banking ist besonders riskant. Denn Geld wird geliehen und verliehen. Umso mehr ist Solidität gefragt. Das jetzige Geldsystem verletzt die Grundregeln eines soliden Bankgeschäfts und solider Finanzmarktentwicklungen in mehrfacher Hinsicht. Erstens können Banken selbst Geld herstellen und damit eine selbstverstärkende Expansion auslösen. Giralgeld ist der ideale Treibstoff für Expansionen. Schließlich stehen Banken in starkem Konkurrenzdruck untereinander. Wer stark wächst, dominiert den Markt und kann dann noch am ehesten auf Rettung durch den Staat hoffen (too big to fail). Hierdurch wird das betriebswirtschaftliche Risiko auf die Gemeinschaft verschoben. Zweitens ist Giralgeld nicht wirklich Geld, sondern eben nur Anspruch auf Geld. Giralgeldansprüche der Kunden sind also nur zu einem kleinen Prozentsatz durch Bargeld gedeckt. Das ist eine weitere Unsicherheit, die bei Bankruns sofort schlagend wird. Einlagensicherungen reduzieren zwar die Gefahr von Bankruns, verschieben jedoch ebenfalls das Risiko des Banking auf Staat und Steuerzahler, d.h. auf das System. (Im Ernstfall würde keine Einlagensicherung ausreichen!) Drittens: im jetzigen Geldsystem sind Zahlungsverkehr, das Kreditgeschäft und die Vermögensveranlagung vermischt. Verkalkulieren sich Banken bei der Kreditvergabe und bei der Vermögensverwaltung und gehen pleite, bricht auch ihr Zahlungsverkehr zusammen. Auch das erhöht das systemische Risiko. So sieht sich auch hier der Staat gezwungen, einzuspringen.
Das Privileg der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken zwingt den Souverän – nur ihm steht das Privileg eigentlich zu – im Notfall einzuspringen, was aber die Banker wiederum zu unverantwortlichem Handeln (moral hazard) veranlasst.
Der Staat reagiert auf diese Risikolage seinerseits mit hochkomplizierten Regelungen, die es den Banken erschweren, ein normales Kundengeschäft durchzuführen. Darunter leidet besonders der Mittelstand und auch die kleineren Banken.
3. Spekulation statt Realwirtschaft. Das meiste Geld aus der Giralgeldschöpfung der Banken fließt nicht in die Realwirtschaft, sondern in Vermögenswerte und Spekulation. Mit selbst hergestelltem Geld können Banken z.B. Staatspapiere oder Immobilien erwerben. Giralgeld wird so zum Treibstoff für Finanzblasen: wenn dort durch Kreditausweitung Blasen erzeugt werden mit gigantischen Gewinnen für alle Beteiligten und die späteren Verluste beim Platzen der Blase dann vom Staat aufgefangen werden müssen. Vermögenswerte und erst recht Umsätze auf den Finanzmärkten stiegen viel rascher als das nominale Sozialprodukt.
4. Fehlende Kontrolle über die Geldmenge durch die Zentralbank. Die Zentralbanken sind immer weniger Akteure, sondern reagieren auf Entwicklungen, die durch Banken und deren Wettbewerb untereinander bestimmt sind. Das gilt sowohl in Boom- als auch in Bust-Phasen. Boom-Phasen im Finanzsektor werden durch Kreditausweitung erzeugt, bei der die Geldmenge ansteigt, in Bust-Phasen beeilt sich jeder, die Schulden zurückzuzahlen (sog. deleveraging). Um gegen die Zyklen anzuarbeiten, fahren Zentralbanken immer größere Geschütze auf. Die Wirkungen sind schädlich, und verstärken das Krisenpotential.
5. Allgemeine Überschuldung und systematische Umverteilung von unten nach oben. Je höher die Geldvermögen desto größer ist der Anspruch der Geldvermögensbesitzer an das Sozialprodukt. Damit verschärft sich die Spreizung bei Vermögen und Einkommen. Das schadet dem Absatz (die Produktion wird durch Massenkaufkraft nicht absorbiert), der Staat muss in die Nachfragelücke einspringen und sich verschulden.
6. Verminderter Geldschöpfungsgewinn für den Staat und die Gesellschaft. Dadurch, dass der Staat den Geldschöpfungsgewinn nur auf das Bargeld (Münzen und Papiergeld) erhält, entgeht der öffentlichen Hand einen Großteil des Geldschöpfungsgewinnes. Dem Souverän entgehen damit Einnahmen, die er Gemeinwohlzwecken zuführen könnte. Zugleich aber muss er Extra-Ausgaben tätigen, um Störungen des Systems aufzufangen.
7. Wachstumszwang. Da Geld heute vorwiegend über verzinste Kredite in die Wirtschaft eingebracht wird, ist die Geldmenge durch Zinszahlungen belastet. Das verschlechtert die Einkommens- und Vermögensverteilung mit nachteiligen Folgen für Konjunktur und soziale Kohärenz. Die Zinsbelastung des Geldes erhöht auch den Wachstumsdruck auf die Wirtschaft. D.h. im Vergleich zum Vollgeldsystem muss die Wirtschaft um einen bestimmten Prozentsatz stärker wachsen, um stabil zu bleiben. (Schließlich müssen die Zinsen für das umlaufende Geld bezahlt werden).